Kauflaune bleibt verhalten
Im Frühjahr 2026 hatte sich die Stimmung der Verbraucher deutlich verschlechtert. Der NIM-Konsumklima-Indikator sank für Mai auf -33,3 Punkte und damit auf den niedrigsten Wert seit Februar 2023. Besonders deutlich brachen die Einkommenserwartungen ein. Gleichzeitig sank die Anschaffungsneigung auf ein Zwei-Jahres-Tief.¹
Seitdem hat sich zwar die Lage etwas verbessert, die Stimmung bleibt dennoch angespannt. Nach der aktuellen NIM-Erhebung steigt der Konsumklima-Indikator für September auf -26,6 Punkte. Von Entwarnung kann trotzdem keine Rede sein. Die Anschaffungsneigung liegt weiterhin bei -9,8 Punkten, während die Sparneigung mit 15,5 Punkten auf einem hohen Niveau verharrt.²
Das zeigt: Verbraucher rechnen weiterhin vorsichtig. Größere Ausgaben werden genauer hinterfragt und finanzielle Reserven bleiben wichtig.
Energie bleibt ein spürbarer Kostenfaktor
Ein Grund für die Zurückhaltung sind weiterhin hohe Preise. Im Juli 2026 lag die Inflationsrate in Deutschland bei 2,8 Prozent. Besonders deutlich entwickelten sich die Energiepreise: sie lagen 8,3 Prozent über dem Vorjahresniveau und waren damit erneut ein zentraler Preistreiber.³
Für Sie als Vermittler entsteht daraus ein konkreter Beratungsansatz. Wenn Kunden ihre Ausgaben stärker kontrollieren, wird die Frage nach dem günstigsten Vertrag wieder relevanter.
Es geht dann nicht darum, ein zusätzliches Produkt in die Beratung zu drücken. Die bessere Frage lautet:
Wo lässt sich die monatliche Belastung Ihres Kunden reduzieren?
Genau daraus können Gespräche über Strom und Gas, Girokonten, Kreditkarten, bestehende Finanzierungen oder eine mögliche Umschuldung entstehen.
Aus Konsumzurückhaltung wird Beratungsbedarf
Ein schwaches Konsumklima bedeutet nicht, dass Verbraucher nichts mehr benötigen. Sie entscheiden nur bewusster.
Das verändert auch die Argumentation im Kundengespräch. Statt ausschließlich über Leistungen oder Konditionen zu sprechen, rücken konkrete finanzielle Auswirkungen stärker in den Vordergrund. Bei Energieverträgen kann es beispielsweise um niedrigere laufende Kosten gehen, bei Girokonten um Kontoführungsgebühren.
Gerade bei bestehenden Krediten lohnt sich ein genauer Blick. Vielen Kunden ist nicht bewusst, dass eine Umschuldung nicht nur die monatliche Rate oder die Gesamtkosten reduzieren kann, sondern ihnen auch bessere Kreditmöglichkeiten eröffnen kann. Bestehende Verbindlichkeiten können neu strukturiert, mehrere Kredite zusammengeführt und günstigere Konditionen geprüft werden. Für Vermittler entsteht daraus ein konkreter Anlass, bestehende Finanzierungen aktiv mit ihren Kunden durchzugehen.
Digitale Prozesse können dabei zusätzliche Möglichkeiten schaffen. Über den digitalen Kontoblick lassen sich beispielsweise Kontodaten direkt und verlässlich prüfen, ohne dass Kunden Kontoauszüge oder andere Unterlagen manuell einreichen müssen.
Der zweite Umbruch: KI verändert, wie Kunden suchen
Neben dem Konsumverhalten verändert sich gerade ein zweiter Bereich sehr schnell: die digitale Kundengewinnung.
Eine Untersuchung des Pew Research Center zeigt deutlich, welchen Einfluss KI-Antworten bereits auf Google-Suchen haben können. Erschien bei einer Suche eine KI-Zusammenfassung, klickten Nutzer in der Untersuchung nur bei 8 Prozent der Suchvorgänge auf ein klassisches Suchergebnis. Ohne KI-Zusammenfassung waren es 15 Prozent. Auf die innerhalb einer KI-Antwort genannten Quellen wurde sogar nur bei rund 1 Prozent der Suchvorgänge geklickt.⁴
Damit verändert sich ein Prinzip, auf dem Online-Marketing jahrelang aufgebaut hat: gute Google-Platzierung führt nicht mehr automatisch im gleichen Umfang zu Websitebesuchen.
Gleichzeitig bedeutet KI nicht zwangsläufig weniger Traffic. Similarweb beobachtete nach einer Änderung der Verlinkung innerhalb von ChatGPT im Mai 2026 einen deutlichen Sprung bei Weiterleitungen zu Unternehmenswebsites. Die gemessenen ChatGPT-Referrals stiegen innerhalb einer Woche um 157,7 Prozent, Zugriffe direkt auf Unternehmens-Homepages sogar um 354,7 Prozent.⁵
Die entscheidende Erkenntnis lautet deshalb nicht: KI nimmt Unternehmen den Traffic weg, sondern die Wege zum Unternehmen verändern sich.
„Bei Google gefunden werden“ reicht künftig nicht mehr
Für Ihren Vertrieb bedeutet das: Abhängigkeit von einem einzelnen Kanal wird riskanter. Ihre Website bleibt wichtig. Gleichzeitig sollten Kunden Ihre Inhalte auch über E-Mail, Social Media, persönliche Empfehlungen, Kampagnen und direkte Links erreichen können.
Noch wichtiger wird außerdem, dass Inhalte konkrete Fragen beantworten. Klare Überschriften, verständliche Antworten, aktuelle Informationen, FAQs und nachvollziehbare Fachinformationen helfen Ihren Kunden und erhöhen die Chance, dass Inhalte von Suchmaschinen und KI-Systemen richtig eingeordnet werden.
Mit Digidor können PROCHECK24-Partner beispielsweise Kampagnen zu Ratenkrediten, Strom und Gas, Girokonten, Kreditkarten sowie weiteren Themen erstellen und über E-Mail, Landingpages und soziale Netzwerke verbreiten. Weitere Materialien für Ihre Werbung finden Sie außerdem in unserem Werbemittelbereich.
Das sollten Sie jetzt konkret tun
- Gehen Sie aktiv in Ihren Bestand
Das betrifft vor allem Ratenkredite und andere Kredite für private Kunden. Reine B2B-Kredite ohne Verbraucherbezug fallen nach aktuellen IHK-Informationen nicht darunter.²
- Beginnen Sie mit der monatlichen Belastung
Fragen Sie nicht zuerst nach einem bestimmten Produkt, sondern danach, wo aktuell Geld verloren geht oder finanzielle Spielräume fehlen. Gerade bei bestehenden Finanzierungen kann sich daraus schnell ein Gespräch über eine mögliche Umschuldung oder eine neue Finanzierung entwickeln.
Mit PROCHECK24 haben Sie dabei einen starken Einstieg in die Kreditberatung: die über PROCHECK24 vermittelten Kredite liegen im Durchschnitt bis zu 2 Prozent unter dem Marktzins. Damit können Sie Ihren Kunden früh im Gespräch zeigen, welches Einspar- und Finanzierungspotenzial eine neue Kreditprüfung haben kann.
- Denken Sie produktübergreifend
Ein Energievergleich kann der Einstieg in ein weiteres Gespräch sein. Ein Girokonto kann Cross-Selling-Potenzial schaffen. Ein bestehender Kredit kann Anlass für eine Umschuldungsprüfung sein.
Viele Kunden prüfen ihre laufenden Kredite über Jahre nicht erneut. Genau hier können Sie ansetzen und gemeinsam schauen, ob sich Konditionen, Laufzeit, Monatsrate oder die gesamte Finanzierungsstruktur verbessern lassen.
- Machen Sie den Abschluss so einfach wie möglich
Gerade bei zurückhaltenden Kunden sind komplizierte Prozesse zusätzliche Hürden. Digitale Vergleichs- und Abschlussstrecken reduzieren den Aufwand.
Ein Beispiel ist der digitale Kontoblick:
Bei einigen Banken, darunter beispielsweise die Postbank, führt die digitale Prüfung zu höheren Kreditmöglichkeiten. Durch den aktuellen Einblick in die finanzielle Situation können je nach Kundenfall höhere Kreditsummen möglich werden. Gleichzeitig sind Banken eher bereit, auch Kunden mit erhöhtem Risikoprofil zu finanzieren, da sie deren wirtschaftliche Situation auf einer verlässlicheren Datengrundlage beurteilen können. So können auch schwierigere Kundenfälle bessere Chancen auf eine Kreditzusage erhalten.
- Verlassen Sie sich bei der Kundengewinnung nicht auf einen einzigen Kanal
Website, E-Mail, Social Media und persönliche Bestandsansprache sollten zusammenspielen. So bleiben Sie erreichbar, auch wenn sich Suchmaschinen und KI-Plattformen weiter verändern.
Quellen:
¹ Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM): „Konsumklima im Sinkflug“, veröffentlicht am 27. April 2026, abrufbar unter: NIM: Konsumklima im Sinkflug
² Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM): „Konsumklima hellt sich auf“, veröffentlicht am 27. August 2026, abrufbar unter: NIM: Konsumklima hellt sich auf
³ Statistisches Bundesamt: „Inflationsrate im Juli 2026 bei +2,8 %“, veröffentlicht am 12. August 2026, abrufbar unter: Destatis: Inflationsrate Juli 2026
⁴ Pew Research Center: „Do people click on links in Google AI summaries?“, veröffentlicht am 22. Juli 2025, abrufbar unter: Pew Research Center: Google AI summaries and clicks



