Procheck24

MiFid

Ver­brau­cher­schüt­zer kämp­fen wei­ter für Provisionsverbot

Die Bun­des­re­gie­rung soll­te nach Ansicht des Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­bands den Ver­brau­cher­schutz stär­ken und die durch die euro­päi­sche Finanz­markt­richt­li­nie (Mifid II) eröff­ne­te Chan­cen für ein Pro­vi­si­ons­ver­bot nut­zen. Zumin­dest ist nach Ansicht der Ver­brau­cher­schüt­zer die unmiss­ver­ständ­li­che Offen­le­gung der Pro­vi­sio­nen in Euro und Cent not­wen­dig, damit die abhän­gi­ge pro­vi­si­ons­ba­sier­te Bera­tung ein Preis­schild bekom­me. Zudem müs­se die Hono­rar­be­ra­tung nicht nur für Finanz­an­la­gen, son­dern auch für Ver­si­che­rungs­pro­duk­te geöff­net werden.

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen (BMF) hat­te den Refe­ren­ten­ent­wurf eines Geset­zes zur Novel­lie­rung von Finanz­markt­vor­schrif­ten auf­grund euro­päi­scher Rechts­ak­te (Finanz­markt-Novel­lie­rungs­ge­setz – Fima­noG) den Län­dern und Ver­bän­den zur Dis­kus­si­on gestellt. Die­se hat­ten bis ver­gan­ge­nen Frei­tag Zeit zur Stellungnahme.

Der Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­band e.V. (VZBV) nutz­te die Gele­gen­heit, um erneut auf ein all­ge­mei­nes Pro­vi­si­ons­ver­bot zu drän­gen. Ein sol­ches habe sich in Groß­bri­tan­ni­en und den Nie­der­lan­den bewährt. Hier­zu gibt es aller­dings auch ande­re Meinungen.

 

Hono­rar­be­ra­tung auf alle Kapi­tal­spar­pro­duk­te ausweiten

Grund­sätz­lich stel­len die Ver­brau­cher­schüt­zer fest: „Der VZBV ist über­zeugt, dass sich der imma­nen­te Inter­es­sens­kon­flikt in der Pro­vi­si­ons­be­ra­tung nur durch ein Pro­vi­si­ons­ver­bot voll­stän­dig lösen lässt.“

Da aber auch die aktu­el­le Regie­rungs­ko­ali­ti­on ein Neben­ein­an­der bei­der Bera­tungs­for­men bestehen las­sen will, for­dert der VZBV zumin­dest eine kla­re Begriffs­be­stim­mung der unab­hän­gi­gen Bera­tung, die nur für die Hono­rar­be­ra­tung in Fra­ge komme.

Dane­ben sei die Begren­zung der Hono­rar­be­ra­tung auf die Berei­che Wert­pa­pie­re und Ver­mö­gens­an­la­gen viel zu eng gefasst. „Durch einen sol­chen pro­dukt­seg­men­tier­ten Regu­lie­rungs­an­satz wird die Ursprungs­idee der Hono­rar­be­ra­tung ausgehebelt.“

Des­halb müs­se sich die Hono­rar­be­ra­tung auch auf ande­re Kapi­tal­an­la­gen wie Ver­si­che­run­gen, Bau­spar­plä­ne oder Spar­an­la­gen erstre­cken können.

 

Pro­vi­si­ons­be­ra­tung muss durch Offen­le­gung Preis­schild bekommen

„Ver­brau­chern ist vor Ver­trags­ab­schluss in kla­rer und leicht ver­ständ­li­cher Form mit­zu­tei­len, mit wel­chen Kos­ten sie über den Umweg von Pro­vi­sio­nen, ande­ren Rück­ver­gü­tun­gen und sons­ti­gen Ver­triebs­ver­gü­tun­gen belas­tet wer­den“, heißt es in der Stel­lung­nah­me wei­ter. Für Bestands­pro­vi­sio­nen bedür­fe es einer geson­der­ten Infor­ma­ti­on, for­dert der VZBV.

Nur durch eine sol­che Offen­le­gung der Ver­gü­tung las­se sich das Eigen­in­ter­es­se des Ver­käu­fers fest­stel­len. „Die Auf­klä­rung ist in Euro und Cent zu füh­ren“, schreibt der VZBV in sei­ner 18 Sei­ten umfas­sen­den Stellungnahme.

Man­fred Brüss

Poli­tik stellt gegen­über AfW klar: LVRG II nicht in Sicht

Beim 12. Haupt­stadt­gip­fel des AfW Bun­des­ver­band Finanz­dienst­leis­tung nah­men mit den bei­den Staats­se­kre­tä­ren Gerd Bil­len und Dr. Micha­el Meis­ter maß­geb­li­che Poli­ti­ker zu aktu­el­len Fra­gen zu den lau­fen­den Regu­lie­rungs­vor­ha­ben Stel­lung. Auch bei den finanz­po­li­ti­schen Spre­chern der SPD und Bündnis90/Die Grü­ne, Lothar Bin­ding und Dr. Ger­hard Schick stan­den neben Mifid II und der För­de­rung der Hono­rar­be­ra­tung auch das Lebens­ver­si­che­rungs­re­form­ge­setz (LVRG) im Zentrum.

Dr. Micha­el Meis­ter, Par­la­men­ta­ri­scher Staats­se­kre­tär beim Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, trat Gerüch­ten ent­ge­gen, die Regie­rung habe bereits ein neu­es Lebens­ver­si­che­rungs­re­form­ge­setz in der Schub­la­de, um ange­sichts der lau­fen­den Nied­rig­zins­pha­se die Ver­si­che­rer wei­ter zu ent­las­ten. „Unser Ziel war, öko­no­misch nicht gerecht­fer­tig­te Mit­tel­ab­flüs­se aus der Lebens­ver­si­che­rung zu stop­pen“, so Meister.

VRG wird erst in 2018 evaluiert 

Man habe das Gesetz mit sehr viel Augen­maß gestal­tet und die Eigen­kon­trol­le des Ver­si­che­rers, die Rech­te des Auf­se­hers sowie die Genera­tio­nen­ge­rech­tig­keit inner­halb der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft gestärkt. Maxi­mal 25 Pro­mil­le Höchst­zill­mersatz dür­fen auf den Kun­den umge­legt wer­den, höhe­re Kos­ten muss der Ver­si­che­rer gegen­über dem Kun­den recht­fer­ti­gen. Es gebe gegen­wär­tig kei­ne Über­le­gun­gen das LVRG zu kor­ri­gie­ren oder wei­te­re Ver­sio­nen die­ser Gesetz­ge­bung vorzubereiten.

Im Jahr 2018 wer­de es eine regu­lä­re Eva­lu­ie­rung des LVRG geben. „Dann müs­sen die Anbie­ter von Lebens­ver­si­che­run­gen zei­gen, dass das Ver­trau­en tat­säch­lich erreicht wur­de“, so Meister.

Der CDU-Poli­ti­ker bekräf­tig­te zudem, dass die Auf­sicht über die Finanz­an­la­gen­ver­mitt­ler nach Para­graf 34f der Gewer­be­ord­nung wei­ter­hin bei den Gewer­be­be­hör­den ver­an­kert blei­ben wird und nicht, wie immer wie­der in der Bran­che gemut­maßt, der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (Bafin) über­tra­gen wer­den soll.

Die Teil­neh­mer des 12. AfW-Haupt­stadt­gip­fels mit Staats­se­kre­tär Dr. Micha­el Meis­ter aus dem Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um, v.l.n.r.: Dirk Fischer, Ste­fan Hei­sig, Mar­tin Sten­ger, Peter Schnei­der, Mat­thi­as Wie­gel, Uwe Kre­mer, Jür­gen Schir­mer, Frank Rot­ten­ba­cher, Chris­ti­an Nusche­le, Dr. Micha­el Meis­ter, Tobi­as Haff, RA Nor­man Wirth, Ingo Busch­mann, Kars­ten Dümm­ler, Tim Brö­ning, Olaf Czinna, Cars­ten Brück­ner, Andrè Wreth, Sven Mei­er, Jens Stei­ner, Alex­an­der Schlich­t­ing, Fried­rich A. Wansch­ka, Marc Schu­mann, Oli­ver Dre­wes, Charles Neus, Alex­an­der Leh­mann

 

Wei­te­re Richt­li­ni­en im Gespräch

Bil­len gab einen Über­blick über die der­zeit lau­fen­den Regu­lie­rungs­um­set­zun­gen und nann­te neben der Wohn­im­mo­bi­li­en­kre­dit­richt­li­nie und der anste­hen­den Novel­lie­rung der Ver­si­che­rungs­ver­mitt­lerricht­li­nie (IDD) vor allem die Ände­run­gen durch MiFid II als Her­aus­for­de­rung. Hier wer­de die Doku­men­ta­ti­on des Bera­tungs­pro­to­kolls durch die Ein­füh­rung einer Geeig­net­heits­prü­fung und ‑erklä­rung ersetzt, die vor­aus­sicht­lich weit­rei­chen­der als das bis­he­ri­ge Pro­to­koll aus­fal­len wird.

Auch Lothar Bin­ding, finanz­po­li­ti­scher Spre­cher der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on, erläu­ter­te beim AfW-Haupt­stadt­gip­fel Tei­le des 260 Sei­ten star­ken Refe­ren­ten­ent­wurfs zum Finanz­markt­no­vel­lie­rungs­ge­setz, das die Mifid-Regu­la­ri­en in deut­sches Recht umset­zen soll. Der Ent­wurf liegt seit kur­zem vor und wird der­zeit dis­ku­tiert. Ins­be­son­de­re das Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen unab­hän­gi­ger und abhän­gi­ger Bera­tung wer­de dabei die Bran­che nach­hal­tig beschäf­ti­gen, so Bin­ding. Unab­hän­gig darf sich künf­tig nur nen­nen, wer kei­ne Pro­vi­sio­nen annimmt.

Der Preis­aus­weis in der Finanz­be­ra­tung sei gene­rell vie­ler­orts nicht klar, Pro­blem sei die Ver­kopp­lung: „Die Bezah­lung der Pro­duk­te und die Bezah­lung der Bera­tung ist so zu tren­nen, dass jeder kapiert, wofür bezah­le ich gera­de. Die Bera­tungs­qua­li­tät ist etwas ande­res als das Pro­dukt“. Schick sprach sich für die Ver­pflich­tung aus, in der Bera­tung immer auch das ent­spre­chen­de Net­to­pro­dukt anzu­bie­ten und die Pro­vi­si­on in Euro und Cent aus­zu­wei­sen – bei Ver­si­che­run­gen wie Kapitalanlagen.

Haupt­stadt­gip­fel – Chan­ce für Poli­tik und Berater

Der AfW — Bun­des­ver­band Finanz­dienst­leis­tung sieht den Haupt­stadt­gip­fel als wich­ti­ges Ele­ment für die Lob­by­ar­beit für unab­hän­gi­ge Bera­ter. „Die mit Regu­lie­rungs­fra­gen befass­ten Poli­ti­ker nut­zen unse­re Ver­an­stal­tun­gen sehr gern, um in den direk­ten Kon­takt zu den betrof­fe­nen Bera­tern und Ver­mitt­lern aus der Bran­che zu tre­ten“, sagt AfW Vor­stand Frank Rot­ten­ba­cher. Daher wer­den sie auch gebe­ten rund die Hälf­te ihrer Vor­trags­zeit für Fra­gen aus dem Audi­to­ri­um bereit­zu­stel­len. Eine Mög­lich­keit, die von den Teil­neh­mern aus­gie­big genutzt wird. So baten Poli­ti­ker mehr­fach um Input und Pra­xis­bei­spie­le. Zudem wur­den sie auf The­men auf­merk­sam gemacht, die in Ber­lin noch nicht auf der Agen­da ste­hen wie etwa die Rol­le der Fin­techs, die der­zeit noch fern­ab jeder Regu­lie­rung in der Bran­che agieren.

Zum 23. Jubi­lä­um des Berufs­ver­ban­des, der am 4. Novem­ber 1992 gegrün­det wur­de, tra­fen sich rund 40 Vor­stän­de und Ent­schei­der der Ver­mitt­ler­bran­che beim AfW in Ber­lin, um sich über die lau­fen­den Regu­lie­rungs­vor­ha­ben zu infor­mie­ren und ihren fach­li­chen Input anzubieten.